Wir machen uns zu viele Sorgen – und vergessen dabei, zu vertrauen
In den letzten vier Jahren durfte ich über 200 Fach- und Führungspersonen – darunter viele C-Level-Persönlichkeiten – in ihrer beruflichen Neuorientierung begleiten. Und eines ist mir dabei immer wieder aufgefallen: Wir machen uns viel zu viele Sorgen.
Sorgen um die Zukunft. Sorgen um den nächsten Job. Sorgen um Sicherheit, Status, Lebensqualität oder die Kinder. Und doch – wenn ich Bilanz ziehe: Am Ende kommt es gut.
Ja, auch mit 55 oder 60. Sogar dann, wenn es im ersten Moment so aussieht, als würde alles wegbrechen. Ich wage zu sagen: Meistens kommt es sogar viel besser.
Das mag spirituell klingen, aber ich bin überzeugt: Das Leben „meint es gut mit uns“.
Diese Kraft, die uns erschaffen hat – wie auch immer man sie nennt – sorgt dafür, dass Türen aufgehen, wenn wir den Mut haben, eine andere zu schliessen. Was wir brauchen, ist Vertrauen.
Vertrauen – keine Naivität, sondern innere Haltung
Vertrauen heisst nicht, passiv zu hoffen. Vertrauen bedeutet, aktiv zu bleiben, während man das Ungewisse aushält. Gerade in beruflichen Übergangsphasen ist diese Haltung entscheidend.
Wissenschaftlich belegt
Studien zeigen, dass über 90 % unserer Sorgen nie eintreten.
In einer Untersuchung der Penn State University (LaFreniere & Newman, 2020) berichteten Teilnehmende, dass 91 % ihrer befürchteten Ereignisse nicht Realität wurden. Nur rund 9 % traten tatsächlich ein – und selbst diese verliefen meist weniger schlimm als erwartet.
Kurz gesagt: Neun von zehn Ängsten sind Kopfkino. Und selbst wenn etwas wirklich passiert, ist es meist halb so wild.
Was in dieser Phase wirklich zählt
- Netzwerk, Netzwerk und nochmals Netzwerk
Die meisten Chancen entstehen nicht über Bewerbungsplattformen, sondern über Menschen. Also nicht nur das bestehende Netzwerk pflegen, sondern gezielt neue Kontakte aufbauen. Entscheider direkt ansprechen (LinkedIn ist heute ein perfektes Werkzeug dafür), den eigenen Mehrwert klar formulieren – und täglich mit System neue Kontakte knüpfen. - Problemlöser-Mentalität leben
Unternehmen suchen keine Lebensläufe – sie suchen Menschen, die Lösungen bringen. Wer im Gespräch zeigt, wie er Herausforderungen gemeistert hat, sticht heraus. Eine Can-do-Mentalität ist gefragt, keine Problem-Mentalität. - In Bewegung bleiben – körperlich, geistig, emotional
Bewegung schafft Energie. Oder besser gesagt: Energie entsteht, indem man Energie verbraucht! Nutzen Sie diese Phase und kommen Sie aktiv in Bewegung. Machen Sie Sport, räumen Sie Wohnung oder Haus auf, ordnen und entsorgen Sie Unterlagen. Gehen Sie spazieren, an die frische Luft, in die Berge. Hören Sie Musik, tanzen oder kochen Sie – alles, was Freude macht, bringt den inneren Motor wieder in Gang. - Weiterbildungen gezielt prüfen
Prüfen Sie, welche Weiterbildung Ihrer beruflichen Laufbahn helfen könnte, und nehmen Sie diese bereits in Ihren Lebenslauf auf. Sie erweitern dadurch auch Ihr Netzwerk, treffen spannende Menschen – und das bringt Sie weiter. - Anderen helfen
Wer gibt, wird gesehen. Wer nützlich ist, bleibt in Erinnerung. Oft entstehen Chancen dort, wo man einfach bereit war, einen Beitrag zu leisten. Und ganz nebenbei tut es gut, gebraucht zu werden. - Rausgehen und Menschen treffen
Chancen entstehen selten am Schreibtisch. Veranstaltungen, Netzwerkanlässe, Meetups – überall dort, wo man sichtbar wird. Das können Netzwerkveranstaltungen, Sportclubs, Weiterbildungen, Wirtschaftsvereine oder Clubs und Vereine im Allgemeinen sein. - Reflektieren und strukturieren
Ein Tagebuch ist ein starkes Werkzeug der Selbstführung. Gedanken festhalten und klären, Ziele setzen, kleine Erfolge notieren – das schafft Klarheit und Fokus. - Tagebuch führen
In schwierigen Zeiten ist es besonders hilfreich, ein Tagebuch zu führen. Das kann digital sein – oder klassisch von Hand geschrieben. Ich selbst habe früher mit Tinte und Füllfeder in ein schönes A4-Buch geschrieben. Heute benutze ich OneNote. Das ist zu einem richtigen Ritual geworden – ein Moment der Ruhe und Reflexion. - Apps nutzen
Es gibt heute zahlreiche hilfreiche Apps, die dabei unterstützen, on track zu bleiben – von Gewohnheitstrackern bis zu Journaling-Tools. Falls jemand Empfehlungen möchte: einfach nachfragen. Ich teile gerne einige Tools, die sich bewährt haben und die ich selbst täglich nutze. - Tagesstruktur planen
Eine klare Tagesplanung hilft, fokussiert zu bleiben. Am besten bereits am Vorabend Ziele, To-dos und Meilensteine notieren – vielleicht sogar ein persönliches Tagesmotto festlegen. Abends lohnt es sich, kurz innezuhalten, das Tagebuch zu führen und die neuen Ziele für den nächsten Tag zu definieren.
Das schafft Klarheit, Stabilität – und tut einfach gut. - Freizeit bewusst geniessen – wenn es geht!
Gönnen Sie sich Zeit, wenn Sie mal keinen vollen Terminkalender haben oder zwischen zwei Arbeitsstellen sind. Gönnen Sie sich Momente der Freude und Leichtigkeit. Tun Sie Dinge, die Sie schon lange nicht mehr gemacht haben und die Ihnen guttun. Das gibt Ihnen Energie – und diese brauchen Sie, um sich positiv bei potenziellen neuen Arbeitgebern zu präsentieren. Diese Phase darf auch Erholung und Lebensqualität beinhalten. Der nächste Job kommt ganz bestimmt – und wer Energie tankt, erkennt Chancen klarer. - Headhunter und Berater kontaktieren
Ein guter Headhunter kann Türen öffnen, die man selbst nicht sieht. Prüfen Sie jedoch genau, wem Sie vertrauen. Suchen Sie Partner, die seriös, integer und mit echter Haltung arbeiten – Menschen, die wirklich an Sie glauben und sich für Sie einsetzen. - Einen Jobcoach engagieren
Ein professioneller Coach hilft, Klarheit zu gewinnen, den eigenen Marktwert zu erkennen und eine Strategie zu entwickeln. Auch hilft es, das Interview 1:1 zu trainieren und die Schritte begleitet zu gehen. Das kostet zwar Geld – aber es zahlt sich zehnfach aus. Gute Coaches sind Sparringspartner, die fordern und fördern. Sie sind die Schnellstrasse auf dem Weg zum Erfolg. Sie stärken Ihnen den Rücken – das ist matchentscheidend. - Unkonventionelles prüfen
Vielleicht ist jetzt der Moment, Neues zu wagen:
• Ein Hobby zum Beruf machen?
• Selbständigkeit prüfen?
• Eine Firma kaufen (es gibt spannende Plattformen dafür)?
• Als Freelancer durchstarten?
Wichtig dabei: Zuerst überlegen, was ich will – nicht, wie ich es erreiche.
Das Wie entwickelt sich auf dem Weg. Wer zu früh in den „Wie“-Modus schaltet, blockiert kreative Ideen und bleibt stecken. Also: Mutig sein! - Komfortzone verlassen
Wachstum entsteht nie im Bequemen. Wer neue Wege gehen will, muss alte Muster loslassen. Das braucht Mut – aber auch Vertrauen in die eigene Stärke und viel Disziplin. - Sich die Träume nicht stehlen lassen
Es wird immer Menschen geben, die zweifeln, kritisieren oder kleinreden. Das kenne ich nur zu gut: Als ich mich vor über 20 Jahren entschied, eine eigene Firma zu gründen, befand sich die Wirtschaft in einer Krise. Viele rieten mir ab – ich solle warten, „bis es besser läuft“.
Ich wagte den Schritt. Zum Glück.
Es gibt nie den perfekten Zeitpunkt. Ein Jobwechsel ist immer auch eine Chance, die Weichen ganz neu zu stellen. Es lohnt sich, nicht einfach den nächstbesten Job zu nehmen, sondern genau hinzuschauen, was man wirklich will. - Ins Tun kommen – das Wichtigste überhaupt!
Anfangen. Auch wenn noch nicht der ganze Weg sichtbar ist.
Der erste Schritt öffnet Türen, die man vom Sofa aus nie sieht.
Bewegung schafft Richtung – und Richtung schafft Sinn.
Der Perspektivenwechsel
Veränderung fühlt sich oft an wie Verlust. Doch in Wahrheit ist sie eine Einladung zur Entwicklung. Viele meiner Klientinnen und Klienten berichten rückblickend, dass gerade der vermeintliche Einschnitt der Beginn ihrer besten beruflichen Phase war – mit mehr Selbstbestimmung, Sinn und Leichtigkeit.
Was wäre, wenn wir aufhören würden, den Wandel zu fürchten – und anfangen, ihm zu vertrauen?
Denn: Das Leben sortiert sich neu, wenn wir bereit sind, loszulassen.
Seit vielen Jahren begleite ich Menschen in Veränderungsprozessen. Das ist mein Spezialgebiet und meine Leidenschaft – sei es in der Vermittlung des passenden Jobs (Executive Search), in der Planung des nächsten Karriereschritts oder als Sparringpartner für Führungskräfte. Ich kenne den Markt. Und ich habe mich permanent weitergebildet – bei den besten Coaches der Welt.
Meine Überzeugung: Wer Vertrauen, Haltung und Bewegung in Einklang bringt, schafft nachhaltige Veränderungen – beruflich wie privat.
Wenn ich Sie beim nächsten Karrieresprung aktiv unterstützen kann, schreiben Sie mir jederzeit – ich freue mich, von Ihnen zu hören.
Mit den besten Grüssen,
Marc Thurner / Inhaber Extendis AG