Was Menschen wirklich über gute Führung sagen – die wichtigsten Erkenntnisse aus meinem Führungsseminar vom letzten Dienstag

Letzten Dienstag wurde mir wieder einmal mehr klar, woran gute Führung wirklich erkannt wird. Am letzten Dienstag durfte ich wieder ein Führungsseminar leiten. Für diese Firma begleite ich seit längerer Zeit regelmässig Führungskräfte. Das Spannende daran: Viele dieser Menschen erlebe ich sonst in einer ganz anderen Rolle – im Executive Search, in Interviews, Assessments oder bei der Besetzung von Führungspositionen. Dort sprechen wir über Erfahrung, Resultate, Kompetenzen und Karrierewege. Im Seminar geht es um etwas anderes. Hier geht es um Haltung. Führung. Wirkung. Entwicklung. Und deshalb starten wir fast jedes Seminar mit denselben Fragen: Was hat Dich geprägt? Wie siehst Du Führung? Wer war die beste Führungskraft in Deinem Leben – und warum?

Die Antworten darauf sind jedes Mal spannend. Und erstaunlich ähnlich.

Die prägendsten Führungskräfte waren selten die bequemsten

Viele glauben heute noch immer, gute Führung bedeute vor allem Harmonie. Möglichst beliebt sein. Möglichst wenig Reibung erzeugen. Genau das höre ich in diesen Seminaren praktisch nie. Die prägendsten Führungspersönlichkeiten waren meistens klar. Anspruchsvoll. Direkt. Menschen mit hohen Standards. Menschen, die Verantwortung eingefordert haben. Menschen, die nicht einfach alles laufen liessen. Und trotzdem sprechen die Teilnehmer mit grossem Respekt über sie. Warum? Weil diese Führungskräfte nicht einfach nur Druck gemacht haben. Sie wollten Entwicklung. Sie wollten, dass Menschen wachsen. Eine Aussage höre ich fast in jedem Seminar in irgendeiner Form:
„Er/Sie war streng. Aber ich habe bei ihm/ihr extrem viel gelernt.“

Dieser Satz beschreibt Leadership ziemlich gut. Menschen wollen nicht einfach nur nette Führungskräfte. Sie wollen Orientierung. Sie wollen Klarheit. Sie wollen jemanden, der Verantwortung übernimmt – gerade dann, wenn es schwierig wird.

Klarheit schafft Sicherheit

In vielen Unternehmen wird Klarheit heute unterschätzt. Dabei ist Klarheit einer der grössten Leistungshebel überhaupt. Mitarbeitende wollen wissen: Wofür stehen wir? Was wird erwartet? Wo sind die Grenzen? Was ist okay – und was nicht? Unsicherheit entsteht selten durch hohe Standards. Unsicherheit entsteht meistens durch Unklarheit. Wenn Führungskräfte Konflikten ausweichen, schwierige Gespräche vertagen oder ständig ihre Meinung ändern, entsteht Orientierungslosigkeit im Team. Die besten Führungskräfte, von denen Teilnehmer erzählen, hatten fast immer eines gemeinsam: Sie waren klar. Nicht autoritär. Nicht respektlos. Einfach klar.

Wertschätzung ist keine Technik

Ein weiterer Punkt taucht in praktisch jedem Seminar auf: Wertschätzung. Interessant ist dabei, dass kaum jemand über grosse Bonuszahlungen oder besondere Privilegien spricht. Menschen erinnern sich an etwas anderes. An ehrliches Interesse. An echtes Zuhören. An Anerkennung. An das Gefühl, gesehen zu werden. Wertschätzung ist keine Technik und kein Führungsinstrument. Mitarbeitende spüren sofort, ob etwas echt ist oder gespielt. Viele Führungskräfte unterschätzen völlig, wie stark ehrliche Wertschätzung Menschen motivieren kann. Und umgekehrt: Menschen kündigen oft nicht wegen der Arbeit. Sie kündigen, weil sie sich über längere Zeit nicht gesehen fühlen.

Teams beobachten alles

Ein Thema kommt ebenfalls immer wieder zur Sprache: Konsequenz. Teams beobachten ihre Führungskräfte permanent. Nicht in den grossen Präsentationen. Nicht in den Leitbildern. Sondern im Alltag. Sie beobachten: Wie reagiert jemand auf Fehler? Wie geht jemand mit Konflikten um? Wird Fehlverhalten angesprochen – oder ignoriert? Gelten die Werte wirklich – oder nur auf PowerPoint-Folien? Viele Führungskräfte glauben, Konfliktvermeidung sei Stärke. In Wahrheit passiert oft das Gegenteil. Wenn problematisches Verhalten dauerhaft toleriert wird, verliert das Team Vertrauen. Mitarbeitende wollen keine willkürliche Härte. Aber sie wollen Führungskräfte, die Verantwortung übernehmen und handeln, wenn es notwendig ist.

Die grösste Gefahr im Team: Energie-Vampire

Ein Thema bespreche ich in meinen Seminaren immer sehr offen, weil es in Unternehmen extrem häufig vorkommt. In fast jedem Team gibt es irgendwann diese eine Person. Jemand, der unglaublich viel weiss. Der Prozesse kennt wie niemand sonst. Der scheinbar unersetzbar geworden ist. Und gleichzeitig permanent negative Energie ins Team bringt. Oft passiert das subtil: ständige Kritik, Blockieren anderer, schlechte Stimmung, politisches Verhalten oder Widerstand gegen Veränderungen. Und trotzdem greifen viele Führungskräfte viel zu spät ein. Warum? Weil sie Angst haben. Angst vor Wissensverlust. Angst vor Instabilität. Angst davor, dass plötzlich alles zusammenbricht.

Meine Erfahrung aus unzähligen Gesprächen mit Unternehmern und Führungskräften zeigt etwas anderes. Der Laden läuft weiter. Oft sogar deutlich besser. Weil plötzlich wieder Energie entsteht. Weil gute Mitarbeitende wieder Luft bekommen. Weil Verantwortung wieder übernommen wird. Die teuersten Mitarbeitenden sind nicht immer jene mit dem höchsten Lohn. Die teuersten Mitarbeitenden sind oft jene, die Energie, Vertrauen und Kultur zerstören.

Führung zeigt sich in schwierigen Momenten

Gute Führung erkennt man nicht in einfachen Zeiten. Gute Führung zeigt sich dann, wenn Druck entsteht. Wenn Konflikte auftauchen. Wenn unangenehme Entscheidungen getroffen werden müssen. Genau dort unterscheiden sich Manager von echten Führungspersönlichkeiten. Die Menschen, von denen Teilnehmer Jahre später noch erzählen, waren präsent. Sie haben hingeschaut. Sie haben Verantwortung übernommen. Und sie haben ihren Leuten gleichzeitig das Gefühl gegeben: „Ich glaube an Dich.“ Das bleibt. Menschen vergessen vieles. Sie vergessen Umsatzzahlen. Sie vergessen Organigramme. Sie vergessen Strategiemeetings. Aber sie vergessen nie, wie sie sich unter einer Führungskraft gefühlt haben.

Was wirklich hängen bleibt

Als ich letzten Dienstag nach dem Seminar nochmals vor der Wand voller Post-its stand, wurde mir eines erneut bewusst: Leadership hat weniger mit Methoden zu tun, als viele glauben. Es geht um Haltung. Um Klarheit. Um Verantwortung. Um Präsenz. Um Konsequenz. Und um echtes Interesse an Menschen. Die besten Führungskräfte machen Menschen nicht kleiner. Sie machen Menschen grösser. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Aufgabe von Leadership überhaupt. Menschen sind berechenbar. Werte erkennbar. Passung messbar. Das ist die Grundlage meiner Arbeit – ob ich Führungskräfte suche, Karrieren begleite oder im 1:1 Sparring sitze.

Wenn Sie die richtige Person für eine Schlüsselrolle brauchen – oder selbst eine neue Richtung suchen: Melden Sie sich.

See you @ work. Leadership. Karriere. Entwicklung. Mein Spezialgebiet.

Marc Thurner – Extendis AG | | www.extendis.ch

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