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Warum 70 % aller Fehlbesetzungen vermeidbar wären – aus der Praxis

Fehlbesetzungen gehören zu den teuersten Fehlern im Unternehmen.
Sie kosten nicht nur Geld, sondern auch Zeit, Vertrauen und Energie – auf allen Seiten.

Und trotzdem zeigt die Praxis immer wieder dasselbe Bild:
Fehlbesetzungen entstehen selten, weil Menschen grundsätzlich ungeeignet sind. Sie entstehen, weil zu früh entschieden wird, weil zu oberflächlich gesucht wird – und weil der Markt falsch gelesen wird.

Nach über 20 Jahren Executive Search lässt sich eines klar sagen:
Ein grosser Teil dieser Fehlentscheide wäre vermeidbar. Nicht vollständig eliminierbar, aber massiv reduzierbar.

Der eigentliche Fehler passiert vor der Suche

Viele Unternehmen rekrutieren noch immer nach klassischen Mustern:
Stelle definieren, Inserat schalten, abwarten.

Das Problem dabei ist offensichtlich: Der Markt funktioniert längst anders.

Gute Fach- und Führungskräfte sind heute nicht aktiv auf Jobsuche. Sie sind eingebunden, gefragt und in der Regel nicht auf den gängigen Plattformen unterwegs. Sie reagieren kaum auf Standardinserate. Sie lassen sich ansprechen – oder sie bleiben unsichtbar.

Wer heute erfolgreich rekrutieren will, muss deshalb früher ansetzen:
bei Klarheit, Positionierung und einer gezielten Ansprache.

Wo Fehlbesetzungen tatsächlich entstehen

Unklare Rollenlogik

Geht es um einen reinen Ersatz – oder um eine Weiterentwicklung der Rolle? Wenn sich Umfeld, Strategie oder Führung verändert haben, reicht ein 1:1-Ersatz oft nicht mehr aus.

Erfahrung schlägt Haltung – zu Unrecht

Beeindruckende Lebensläufe sagen wenig darüber aus, wie jemand führt, entscheidet oder mit Druck umgeht. Haltung zeigt sich nicht im CV, sondern im Gespräch und im Verhalten.

Titel werden überschätzt

Entscheidend ist nicht, wie eine Rolle heisst, sondern welche Verantwortung jemand tatsächlich getragen hat.

Cultural Fit wird zu oberflächlich verstanden

Sympathie ist kein Kulturabgleich. Werte, Entscheidungslogik und Führungsverständnis müssen zusammenpassen – sonst entstehen Reibungen.

Zeitdruck verdrängt das Bauchgefühl

Ignorierte Zweifel rächen sich fast immer. Schnelle Kompromisse gehören zu den häufigsten Gründen für spätere Trennungen.

Recruiting heute: Sichtbarkeit schlägt Inserat

Der Arbeitsmarkt ist kandidatengetrieben.
Ein einzelnes Stelleninserat reicht längst nicht mehr aus.

Erfolgreiche Suche bedeutet heute:

  • gezielte Direktansprache statt Abwarten
  • intelligente Nutzung von Social Media
  • klare, ehrliche Teaser statt Hochglanz-Floskeln
  • einfache und schnelle Bewerbungswege
  • unterschiedliche Botschaften für unterschiedliche Zielgruppen
  • den Mut, auch unkonventionelle Wege zu gehen

Recruiting und Branding gehören dabei untrennbar zusammen. Wer nicht zeigt, wofür er steht, wie geführt wird und welche Werte gelten, wird von Top-Kandidatinnen und Kandidaten schlicht übersehen.

Realität statt Versprechen: Fehlbesetzungen lassen sich nicht ausschliessen

Wichtig ist eines klarzustellen:
Auch mit Erfahrung, Struktur und Sorgfalt lassen sich Fehlbesetzungen nicht zu 100 % verhindern. Menschen entwickeln sich, Rahmenbedingungen ändern sich, Dynamiken sind nicht immer planbar.

Aber:
Mit einer klaren Rollenlogik, einer sauberen Strategie und einem konsequent geführten Prozess lässt sich die Quote deutlich verbessern. Nicht durch Glück – sondern durch System.

Was sich in der Praxis bewährt hat

Über Jahre hinweg zeigen sich immer wieder dieselben Erfolgsfaktoren:

  • klare, wenige und verbindliche Muss-Kriterien
  • ein straffer, transparenter Prozess
  • aktive, wertschätzende Ansprache
  • gezielter Einsatz von Persönlichkeitsanalysen
  • strukturierte Einbindung des Teams
  • klare Kommunikation ohne Spielchen
  • ernst genommene Probezeit
  • sauberes, geplantes Onboarding
  • Referenzen mit Substanz
  • Coaching als strategische Investition bei Schlüsselrollen

Langsamer starten – schneller erfolgreich sein

Wer sich zu Beginn Zeit für Klarheit nimmt, spart später Monate an Korrekturen.

Ein professionell geführter Recruiting- und Search-Prozess ist kein Luxus.
Er ist Ausdruck moderner Führung.

Fazit

Fehlbesetzungen sind kein Zeichen von Inkompetenz.
Sie sind häufig das Resultat von:

  • zu frühen Entscheidungen
  • zu wenig Tiefe
  • veralteten Recruiting-Logiken

Die richtige Person zur richtigen Zeit in der richtigen Rolle ist kein Zufall.
Sie ist das Ergebnis von Klarheit, Haltung, Sichtbarkeit – und dem Mut, neue Wege zu gehen.

Wenn Sie sich mit einer Schlüsselbesetzung auseinandersetzen und Wert auf Klarheit, Struktur und Passung legen, freue ich mich auf den Austausch.

Herzliche Grüsse,


Marc Thurner
Geschäftsführer / Inhaber