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Die harte Phase ist Teil des Deals…

Ich schreibe das bewusst so klar, weil ich es selbst immer wieder erlebt habe – im Sport, im Unternehmertum und in Gesprächen mit unzähligen Führungskräften. Es gibt Phasen im Leben, da läuft es rund, mit Leichtigkeit, Rückenwind und einer Selbstverständlichkeit, die sich gut anfühlt. Und dann gibt es andere Phasen, in denen es harzt, zäh ist, unklar wird und man das Gefühl hat, trotz Einsatz nicht wirklich vorwärtszukommen. Das ist normal. Und vor allem: Es geht vorbei.

Gerade in Führungsrollen sind das oft die entscheidenden Momente. Dort, wo Verantwortung gross ist, der Druck steigt und einfache Antworten fehlen. Dort, wo man merkt: Jetzt braucht es Klarheit – auch wenn sie noch nicht vollständig sichtbar ist.

Was viele unterschätzen – und was ich heute als eine der wichtigsten Erkenntnisse betrachte – ist, dass genau diese schwierigen Phasen diejenigen sind, die uns weiterbringen. Sie formen Haltung, sie schärfen den Blick und sie machen langfristig stark. Das tönt im ersten Moment vielleicht banal oder lehrmeisterlich, ist aber ehrlich gemeint und alles andere als zynisch.

Schwieriges aushalten gehört dazu

Die harte Phase ist Teil des Deals. Punkt. Ob im Sport, in der Karriere oder im Leben insgesamt. Wir müssen wieder lernen, Schwieriges auszuhalten, ohne es sofort wegzuerklären, zu beschönigen oder zu umgehen. In unseren Breitengraden sind wir es gewohnt, dass vieles funktioniert, dass Sicherheit hoch ist und Unbehagen möglichst rasch verschwindet. Das ist angenehm – aber es macht auch bequem. Erfolg entsteht nicht aus Komfort, nicht aus permanenter Absicherung und ganz sicher nicht daraus, dass alles jederzeit gut sein muss. Erfolg entsteht dort, wo jemand bereit ist, eine Phase auszuhalten, in der es sich nicht gut anfühlt, in der der Weg noch nicht sichtbar ist und in der man trotzdem weitergeht.

Was man an der Spitze nicht sieht

Ich habe viele Biografien von Spitzensportlern gelesen. Was man sieht, sind Medaillen, Titel, Siege. Was man nicht sieht, sind die Jahre davor: Verletzungen, Rückschläge, monotones Training, Zweifel, Phasen, in denen niemand zuschaut und niemand applaudiert. In den Biografien steht es. Dort wird klar, dass diejenigen, die ganz nach oben kommen, bereit waren, mehr auf sich zu nehmen als andere und konsequent die Extrameile zu gehen.

Genau das sehe ich auch im beruflichen Kontext. Man sieht Menschen erst dann, wenn sie erfolgreich sind. Was sie dafür investiert haben, welche Umwege, welche schwierigen Phasen sie durchlaufen haben, bleibt oft unsichtbar.

Aktiv bleiben – auch ohne klare Sicht

Ich habe gefühlt Hunderte von Newplacements begleitet. Menschen, die verunsichert waren, die Angst hatten, die nicht wussten, wie es weitergeht. Und rückblickend kann ich eines klar sagen: Es kam immer gut. Nicht immer sofort, nicht immer genau so wie geplant – aber oft besser, als man es sich in der schwierigen Phase vorstellen konnte.

Entscheidend war nie die perfekte Ausgangslage. Entscheidend war, ob jemand aktiv geblieben ist. Ob jemand bereit war, jeden Tag etwas für den nächsten Schritt zu tun. Neue Türen gehen nicht von selbst auf. Sie lassen sich schneller öffnen, wenn man sich bewegt, sucht, ausprobiert und dranbleibt.

Genau in solchen Phasen zeigt sich auch, wie wichtig ein externer Blick ist – jemand, der Distanz hat, Muster erkennt und hilft, Entscheide zu strukturieren, statt sie hinauszuschieben.

Gefährlich ist nicht die harte Phase. Gefährlich sind Lethargie, Stillstand und das Verkriechen. Den Kopf in den Sand zu stecken fühlt sich kurzfristig vielleicht sicher an, kostet aber langfristig am meisten.

Gut zu sich sein – und trotzdem konsequent bleiben

Gerade in solchen Phasen ist es wichtig, gut zu sich zu sein. Das wird oft missverstanden. Gut zu sich sein heisst nicht, sich zurückzulehnen oder alles laufen zu lassen, sondern bewusst Dinge zu tun, die einem Energie geben. Dinge, die man gerne tut. Bewegung, Sport, Zeit mit Menschen, die einem guttun. Sich zwischendurch auch belohnen – nicht, weil alles perfekt läuft, sondern weil man dranbleibt. Gleichzeitig gehört aber auch das andere dazu: knallhart die Dinge zu tun, die einen den eigenen Zielen näherbringen. Auch dann, wenn die Motivation fehlt. Auch dann, wenn es unbequem ist. Gerade dann. Für mich ist das kein Widerspruch, sondern die Kombination aus beidem, die langfristig trägt. Was mir in solchen Phasen hilft, ist bewusst wieder strategisch zu denken. Abstand vom Tageslärm zu nehmen. Eine Bucket List zu machen – nicht nur mit grossen Träumen, sondern auch mit konkreten nächsten Schritten. Sich ehrlich zu fragen: Was will ich wirklich? Wo will ich hin? Und was ist jetzt der sinnvollste nächste Schritt?

Warum ein Sparringpartner Gold wert ist

Und ja – in solchen Phasen macht es absolut Sinn, sich Unterstützung zu holen. Ich spreche bewusst von einem Sparringpartner und nicht von einem Coach. Fragen stellen ist wichtig, keine Frage. Aber es gibt Momente, da braucht es keinen weiteren Denkprozess, sondern Klartext. Eine ehrliche Aussensicht. Jemanden, der spiegelt, einordnet und auch sagt, was man vielleicht gerade nicht hören will. Ein guter Sparringpartner hilft, Struktur reinzubringen, blinde Flecken zu erkennen und Entscheidungen zu treffen, statt sich im Kreis zu drehen. Nicht, um Verantwortung abzugeben, sondern um sie klarer wahrzunehmen.

Ein ehrlicher Schlussgedanke

Schwierige Phasen gehören dazu. Sie sind kein Zeichen von Scheitern, sondern oft der Vorraum zur nächsten Entwicklung. Wer bereit ist, sie auszuhalten, klar zu bleiben und Verantwortung zu übernehmen, kommt nicht nur weiter – sondern kommt stärker zurück. Die harte Phase ist Teil des Deals.

Grüsse aus dem Leben mit Höhen und Tiefen. Entweder man ist gerade im Hoch – oder man lernt.

In welcher Phase sind Sie gerade?

Marc Thurner / Extendis AG